Der Karpathy-Skill für Claude Code
Worum es geht
Andrej Karpathy hat aufgeschrieben, woran KI beim Programmieren immer wieder scheitert: Sie rät, statt zu fragen, baut mehr als nötig, fasst fremden Code an und hört auf, bevor das Ziel erreicht ist. Daraus lassen sich vier Regeln ableiten – und die passen in eine einzige Textdatei.
Ein Skill ist in diesem Fall einfach eine Datei namens CLAUDE.md im Projekt-Ordner. Claude Code liest sie vor jeder Aufgabe, wie eine Hausordnung. Du schreibst einmal hinein, wie gearbeitet werden soll, und Claude Code hält sich ab dann daran – in jedem Chat dieses Projekts, ohne Zusatzbefehl.
Die vier Regeln:
- Erst denken, dann coden – fragt nach, statt zu raten
- Einfachheit zuerst – kürzt, statt aufzublähen
- Chirurgische Änderungen – fasst nur das Nötige an
- Ziel statt Befehl – arbeitet, bis das Ziel erfüllt ist
Für wen das sinnvoll ist
Für alle, die Claude Code schon nutzen und sich über zwei Dinge ärgern: dass der Assistent stillschweigend Annahmen trifft, und dass er Dinge verändert, die niemand angefasst haben wollte. Programmierkenntnisse brauchst du nicht; ein in Claude Code geöffnetes Projekt reicht. Auch wer Claude Code nur für Automatisierungen oder kleine Werkzeuge einsetzt, profitiert: Die Regeln sorgen dafür, dass weniger kaputtgeht und du seltener nacharbeiten musst.
So gehst du vor
- Öffne Claude Code in dem Projekt, in dem die Regeln gelten sollen. Kein Terminal-Befehl, keine Installation nötig.
- Füge diesen Prompt ein und schick ihn ab:
Lege in meinem Projekt eine Datei CLAUDE.md an und halte dich ab jetzt immer an diese vier Regeln:
1. Erst denken, dann coden. Triff keine stillen Annahmen. Nenne deine Annahmen, zeig Alternativen bei Unklarheit und frag nach, statt zu raten.
2. Einfachheit zuerst. Schreib nur den Code, der das Problem löst. Keine unnötigen Features, keine Abstraktion für Einmal-Code. Wenn 200 Zeilen auch mit 50 gehen, mach es kürzer.
3. Chirurgische Änderungen. Fass nur an, was nötig ist. Verschönere keinen fremden Code, formatiere nichts um und lösche nichts, was du nicht selbst verursacht hast.
4. Ziel statt Befehl. Mach aus jeder Aufgabe ein prüfbares Ziel: erst der Test, dann grün. Arbeite, bis das Ziel erfüllt ist.- Claude Code legt die Datei
CLAUDE.mdselbst an. Ab jetzt gilt sie in jedem Chat dieses Projekts. - Arbeite ganz normal weiter: Aufgabe hineinschreiben, fertig. Auf „Bau mir einen Login für die App." kommt dann zum Beispiel zurück: „Kurz vorab: Session per Token oder Cookie? Ich halte es minimal und schreib dir vorher einen Test."
Die Datei liegt still im Hintergrund. Bei jeder Aufgabe prüft Claude Code die vier Regeln und richtet sein Vorgehen danach aus. Du merkst es daran, dass er nachfragt, kürzer baut und nichts kaputtmacht, was du nicht angefasst haben wolltest.
Stolpersteine
- Die Datei gilt nur im Projekt, in dem sie liegt. Für ein anderes Projekt den Prompt dort noch einmal einfügen.
- Rückfragen sind gewollt. Regel 1 sorgt dafür, dass Claude Code nachfragt, statt zu raten. Wer das als Bremse empfindet, lässt die Regel trotzdem drin: Die Rückfrage kostet Sekunden, eine falsche Annahme Stunden.
- Eigene Regeln ergänzen, nicht ersetzen. Die
CLAUDE.mdist eine normale Textdatei. Du kannst weitere Regeln anhängen, die zu deiner Arbeit passen – etwa Sprache, Dateistruktur oder Bereiche, die nie angefasst werden dürfen. - Nicht wundern, wenn weniger Code entsteht. Regel 2 kürzt bewusst: Wenn 200 Zeilen auch mit 50 gehen, baut Claude Code die 50.
Werkzeuge und Kosten
Du brauchst nur Claude Code, das Programm von Anthropic, das direkt auf deinem Rechner arbeitet. Der Skill selbst ist eine Textdatei im Projekt-Ordner und kostet nichts.
Weiterlesen in Agentic Coding